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Neuromancer-CD Release-Party (08.08.2003)
Die Fotos vom CD-Release gibt's unter: http://www.sf-fantasy.de/fotos/Premieren/Neuromancer-CD Release Party/
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William Gibsons 1984 (sic!) veröffentlicher Roman "Neuromancer" war Wegbereiter einer neuen Generation von Science-Fiction-Romanen, die in einer düsteren, nahen Zukunft spielen. Er führte darin zum ersten Mal das Konzept des Cyberspace ein.
Nun (Anfang August 2003) wurde eine deutsche Hörspiel-CD vorgestellt - eine Zusammenarbeit von "Der Audio Verlag" und "Radio Bremen". Eine Produktion mit Anspruch; ein preisgekrönter Regisseur; eine Co-Produktion mit öffentlichem Sender - das lässt nichts Gutes ahnen.
Aber dazu später ... |
Eingeladen war zur Release-Party in den Roten Salon der Berliner Volksbühne. Bevor man dort eintreten durfte, musste Eintrittsgeld bezahlt werden. Interessante Pressearbeit. Immerhin gab es dazu einen Gutschein über ein Glas Sekt - der anscheinend nur für Auserwählte auch in Alkoholfreies umgetauscht werden konnte. Wer wieso auserwählt wurde, blieb ebenso im Dunkeln, wie auch der Raum selber für lange Zeit. Aber dazu später...
Der Rote Salon selbst verströmt den spröden Charme einer etwas heruntergekommenen Bonzen-Bar/Loge aus DDR-Zeiten. Grundfarbe Rot, dunkles Holz, Kristalleuchter, Kunstledersessel - im Stil der 60er Jahre. Gegenüber des Eingangs hat eine Buchhandlung die CDs aufgebaut. Neuromancer, Neuromancer oder Neuromancer. Auf halbem Weg zur Bühne in einer Nische ist ein Laptop (Apple iBook) aufgebaut, der wohl irgendetwas zeigen soll. Bis zum Ende der Veranstaltung habe ich dort aber keine Aktion gesehen. Den Blick weiter nach vorne: auf der Bühne ein kleiner Tisch, drei Mikrofone, ein wenig Deko: Neuromancer-Bücher und -CDs. Ein wenig wundert's schon: Wieso wird ein Science-Fiction Roman in so einem Ambiente vorgestellt? Nun gut, ein wenig heruntergekommen ist's auch im Roman, aber irgendwie will die Umgebung nicht so recht zum Thema passen. Anscheinend gibt's da irgendeinenBezug, der sich mir im Moment nicht erschließt. Aber dazu später...
Irgendwie wartet alles darauf, dass etwas passiert. Dann erklimmen zwei Männer und eine Frau die Bühne und setzen sich an den Tisch: Holger Rink, verantwortlich für Hörspiel bei Radio Bremen, der Regisseur Alfred Behrens sowie Marion von Stengel, die die "Molly" spricht. Ein dritter Mann hampelt unbeholfen auf die Bühne und begrüßt alle zur CD-Release.
Zum Glück gab er bald an die beiden Männer ab - Marion von Stengel sprach nur sehr wenig. Holger Rink und Alfred Behrens erzählen vom Projekt. Über den hohen Anspruch. Das große Projekt, das schon lange angedacht war. Als besonderes Highlight Aufnahmen von Originalschauplätzen in Japan und New York. Dabei erfährt man auch endlich den Zusammenhang zwischen Neuromancer und dem Roten Salon: die wesentlichen Aufnahmen fanden in den alten Studios des DDR-Staatsfunks statt.
Nach dem recht kurzen Gespräch soll nun die CD vorgestellt werden. Dazu wird einfach die erste CD abgespielt. Ohne weiteren Kommentar. Nach den ersten Minuten wird das Licht im Saal abgeschaltet. Nur noch roter Schimmer und rot-gelbes Licht von der Bar. Bis zum Ende der ersten CD - nach 56 Minuten. Wohl wegen des Anspruchs.
Die erste CD ist zu Ende, das Licht geht an, die Release-Party ist aus.
Gerade höre ich die beiden anderen CDs. Überall Anspruch. Häufiger mal übermäßig und verkrampft, oder schlicht gestelzt gesprochen. Immer wieder englische Lexikon-Erklärungen, die meist ziemlich schlecht (oder gar nicht) ins Deutsche übersetzt wurden. Soll wohl cool sein. Ebenso gelengentlich englische Passagen ohne Übersetzung. Für den deutsche Text wurde offensichtlich die alte, schlechte Heyne-Übersetzung als Gundlage verwendet. Das aktuelle Heyne-Buch ist im Inneren übrigens auch immer noch die alte, schlechte Übersetzung. All dies trägt nicht gerade dazu bei, dass das Hörspiel einen gefangen nimmt. Zu distanziert, zu cool - und vor allem zu anspruchsvoll. Zusätzlich verwirren im Hörspiel die vielen, teils unter mehreren Namen auftretenden Personen und die nur schwer unterscheidbaren Realitätsebenen. Hier hätte nicht nur Inhalt, sondern auch die Personenzahl gestrafft werden sollen. Da stören auch gelegentliche Aufnahmefehler (Übersteuerungen, Knackser) oder für einen SF-Roman inzwischen überholte Begriffe (z.B. Industriespionage um den neuen 3-MegaBit-Chip) nicht mehr wirklich.
Mit 213 Minuten Laufzeit kostet der Dreierpack CDs etwas mehr als einen Euro pro 10 Minuten. Und jeder einzelne davon wurde verschenkt.
Schade. Gleich zweimal, sowohl CD wie auch Party. Da hätte etwas 'draus werden können. "Große Kunst" und "Anspruch" haben das aber erfolgreich verhindert. Schade.
Euer Volker
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